Wie deine Gedanken deine Entscheidungen beeinflussen

Entscheidungen treffen: Frau sitzt ruhig und nachdenklich am See

Was koche ich heute? Ziehe ich die Jacke an oder nicht? Gehe ich ans Telefon oder rufe ich später zurück?

Wir alle müssen jeden Tag unzählige Entscheidungen treffen. Die meisten davon so nebenbei, dass wir sie gar nicht bemerken. Und bei den großen Entscheidungen glauben wir, dass wir ganz vernünftig abwägen. Pro und Contra, Kopf an, fertig.

Ehrlich gesagt? So läuft das selten.

Oft haben unsere Gedanken schon entschieden, bevor wir überhaupt richtig angefangen haben nachzudenken. Ganz leise, im Hintergrund.

Im letzten Beitrag hab ich dir gezeigt, wie du dein Mindset Schritt für Schritt verändern kannst. Heute schauen wir uns an, wo das im Alltag am deutlichsten spürbar wird: bei deinen Entscheidungen. Und warum du manchmal immer wieder gleich entscheidest, obwohl du eigentlich etwas anderes willst.

Warum wir entscheidungen treffen,ohne es zu merken

Stell dir deine Gedanken wie eine Brille vor. Du trägst sie schon so lange, dass du gar nicht mehr merkst, dass du sie aufhast. Aber sie färbt alles, was du siehst.

Wenn du durch die Brille „Ich mach mich bestimmt lächerlich“ schaust, siehst du bei einer neuen Chance vor allem die Risiken. Wenn du durch die Brille „Ich krieg das schon irgendwie hin“ schaust, siehst du bei derselben Chance auch die Möglichkeiten.

Gleiche Situation. Aber eine ganz andere Grundlage, auf der du Entscheidungen treffen kannst.

Und das Verrückte ist: Manche Möglichkeiten tauchen in deinem Kopf gar nicht erst auf. Sätze wie „Das ist nichts für Leute wie mich“ oder „Das kommt für mich eh nicht in Frage“ sortieren Optionen aus, bevor du sie überhaupt anschauen konntest. Du hast also gar nicht frei entschieden. Dein Gedanke hat vorher schon ausgewählt, worüber du überhaupt nachdenken darfst.

Du weißt ja inzwischen, dass ich früher vor ganz vielem einfach weggelaufen bin. Damals dachte ich, das wären bewusste Entscheidungen. Heute weiß ich: Das waren meine Glaubenssätze, die da entschieden haben. Ich hab nur noch unterschrieben.

angst oder bauchgefühl

Vielleicht fragst du dich jetzt: „Soll ich nicht einfach auf mein Bauchgefühl hören?“

Grundsätzlich ja. Unser Bauchgefühl ist oft schlauer, als wir denken. Auch der Psychologe Gerd Gigerenzer, der seit Jahrzehnten erforscht, wie wir Entscheidungen treffen, sagt: Kopf und Bauch gehören bei Entscheidungen immer zusammen.

Das Problem ist nur: Angst verkleidet sich wahnsinnig gern als Bauchgefühl.

Mir hilft eine einfache Unterscheidung:

Angst fühlt sich eng an. Unruhig, hektisch, mit ganz viel „Was wäre, wenn…“. Sie will vor allem eins: dass du schnell Nein sagst, damit das unangenehme Gefühl aufhört.

Bauchgefühl fühlt sich ruhig an. Es ist eher ein leises Wissen. Kein Drama, keine Panik. Oft kannst du es gar nicht richtig begründen, aber es fühlt sich stimmig an.

Wenn du also das nächste Mal denkst „Mein Bauch sagt Nein“, frag dich kurz: Ist das gerade ein ruhiges Nein? Oder ein panisches? Erst wenn du das unterscheiden kannst, kannst du wirklich gute Entscheidungen treffen.

warum du unter stress anders entscheidest

Das hier liegt mir besonders am Herzen, weil es so viele von uns betrifft.

Wenn wir gestresst sind, schaltet unser Kopf in eine Art Notfallmodus. Dann geht es nicht mehr darum, die beste Lösung zu finden, sondern nur noch darum, die Situation irgendwie zu überstehen. Wir sehen nur noch einen kleinen Ausschnitt, wie mit einem Tunnelblick.

Unter Stress Entscheidungen treffen heißt deshalb oft: Wir nehmen das, was wir kennen. Auch wenn es uns nicht guttut. Oder wir sagen Ja, nur damit endlich Ruhe ist.

Kennst du das? Du bist eh schon am Limit, und dann fragt jemand, ob du nicht noch schnell einen Kuchen fürs Schulfest backen kannst. Und noch bevor du richtig nachgedacht hast, hörst du dich „Klar, mach ich“ sagen.

Das war keine echte Entscheidung. Das war Stress.

Deshalb mein Tipp: Große Entscheidungen treffen, wenn du gerade völlig gestresst bist, ist selten eine gute Idee. Wenn es irgendwie geht, verschieb sie auf einen Moment, in dem du wieder ein bisschen Luft hast. Und wenn jemand sofort eine Antwort will, darfst du auch sagen: „Ich sag dir morgen Bescheid.“

wenn du ja sagst,obwohl du nein meinst

Eng damit verbunden ist ein Muster, das bestimmt viele von uns kennen.

Wir sagen Ja, obwohl alles in uns Nein schreit. Und dahinter steckt fast immer ein Gedanke wie: „Sonst ist die andere enttäuscht.“ Oder: „Ich will nicht, dass jemand schlecht von mir denkt.“

Diese Gedanken sorgen dafür, dass wir Entscheidungen treffen, die eigentlich gar nicht unsere sind. Wir entscheiden für die Erwartungen der anderen. Und wundern uns dann, warum wir so erschöpft sind.

Das Ding ist: Jedes Ja zu etwas, das du nicht willst, ist gleichzeitig ein Nein zu dir selbst. Zu deiner Zeit, deiner Ruhe, deiner Energie.

Du musst nicht von heute auf morgen zu allem Nein sagen. Aber du darfst anfangen, dich vor jedem Ja kurz zu fragen: „Will ich das wirklich? Oder will ich nur niemanden enttäuschen?“

nicht entscheiden ist auch eine ENtscheidung

Und dann gibt es noch die Entscheidungen, die wir einfach vor uns herschieben. Wochenlang, monatelang, manchmal jahrelang.

Dahinter steckt oft der Gedanke: „Was, wenn ich mich falsch entscheide?“ Und weil sich das so bedrohlich anfühlt, wollen wir lieber gar keine Entscheidungen treffen.

Aber ganz ehrlich: Nicht entscheiden ist auch eine Entscheidung. Nämlich die, dass alles so bleibt, wie es ist. Nur dass du sie nicht bewusst getroffen hast.

Es gibt fast nie die eine perfekte Entscheidung. Aber es gibt Entscheidungen, hinter denen du stehen kannst, weil du sie bewusst getroffen hast. Und die meisten Entscheidungen kannst du später auch wieder anpassen, wenn du merkst, dass sie doch nicht passen.

so kannst du bewusster entscheidungen treffen

Du musst deine Gedanken nicht erst komplett umkrempeln, um bessere Entscheidungen treffen zu können. Oft reicht es schon, kurz innezuhalten und dir ein paar Fragen zu stellen. Diese fünf finde ich besonders hilfreich:

1. Aus welchem Gefühl heraus entscheide ich gerade?

Entscheide ich, weil ich etwas will? Oder weil ich vor etwas Angst habe? Schon diese eine Frage macht oft sichtbar, was da eigentlich gerade in dir passiert.

2. Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte?

Du musst dann nicht genau das tun. Aber die Antwort zeigt dir, was du dir eigentlich wünschst.

3. Wie fühlt sich das in 10 Minuten, 10 Monaten und 10 Jahren an?

Diese Methode stammt von der Autorin Suzy Welch und heißt 10 10 10 Methode. Viele Dinge, die sich in 10 Minuten furchtbar unangenehm anfühlen, sind in 10 Monaten völlig egal. Und manches, das sich gerade bequem anfühlt, bereust du in 10 Jahren vielleicht.

4. Was würde ich einer Freundin raten?

Mit anderen sind wir oft viel klarer und liebevoller als mit uns selbst. Stell dir vor, deine beste Freundin steht vor genau dieser Entscheidung. Was würdest du ihr sagen?

5. Bin ich gerade ruhig genug, um zu entscheiden?

Wenn nicht: erst durchatmen, rausgehen, eine Nacht drüber schlafen. Die Entscheidung läuft dir meistens nicht weg.

fazit: deine gedanken entscheiden mit

Wir glauben oft, wir würden unsere Entscheidungen treffen wie ein Taschenrechner: alles abwägen, das Beste auswählen. In Wirklichkeit sitzen unsere Gedanken dabei immer mit am Tisch. Manchmal als gute Beraterinnen. Und manchmal als ziemlich laute Stimmen aus der Vergangenheit.

Du kannst diese Stimmen nicht einfach abschalten. Aber du kannst lernen, sie zu bemerken. Und dann selbst zu entscheiden, ob du auf sie hören willst. So kannst du wieder Entscheidungen treffen, die sich nach dir anfühlen.

Es geht nicht darum, nie wieder eine falsche Entscheidung zu treffen. Es geht darum, dass es wieder deine Entscheidungen sind.

Wie geht es weiter?

Und weißt du, wo unsere Gedanken bei Entscheidungen besonders gern mitreden? Beim Geld. Ob wir uns etwas gönnen, ob wir sparen, ob wir uns trauen, einen fairen Preis zu verlangen. Da stecken oft Gedanken dahinter, die wir schon seit unserer Kindheit mit uns rumtragen.

Genau darum geht es im nächsten Beitrag: Was ist Money Mindset und warum beeinflusst es deinen Umgang mit Geld?

Bis bald deine Lizanne

Häufige Fragen zum Thema Entscheidungen treffen

  1. Warum fällt es mir so schwer, Entscheidungen zu treffen?

    Meistens steckt die Angst dahinter, etwas falsch zu machen. Dazu kommen oft alte Gedanken wie „Ich muss alles richtig machen“ oder „Ich darf niemanden enttäuschen“. Je mehr Druck du dir machst, desto schwerer wird es.

  2. Soll ich bei Entscheidungen auf mein Bauchgefühl hören?

    Ja, aber nicht nur. Kopf und Bauch gehören zusammen. Wichtig ist, dass du dein Bauchgefühl von Angst unterscheidest. Bauchgefühl ist ruhig, Angst ist eng und hektisch.

  3. Wie beeinflusst Stress meine Entscheidungen?

    Unter Stress sieht dein Kopf nur noch einen kleinen Ausschnitt. Du entscheidest dich dann eher für das Bekannte oder sagst Ja, damit schnell Ruhe ist. Wichtige Entscheidungen solltest du deshalb lieber treffen, wenn du wieder etwas entspannter bist.

  4. Was mache ich, wenn ich mich falsch entschieden habe?

    Erst mal durchatmen. Die meisten Entscheidungen kannst du später anpassen. Und auch eine Entscheidung, die sich im Nachhinein nicht gut anfühlt, bringt dir eine Erfahrung, die dir beim nächsten Mal hilft.

  5. Kann ich lernen, bessere Entscheidungen zu treffen?

    Ja. Je öfter du bewusst hinschaust, aus welchem Gedanken heraus du gerade entscheidest, desto leichter wird es. Wie das mit dem Verändern von Gedanken ganz praktisch funktioniert, liest du in meinem Beitrag „Kann man sein Mindset wirklich verändern?“.

Über die Autorin
Ich bin Lizanne, Mindset Coach und Mama. Auf meinem Blog geht es um alles, was im Kopf beginnt: dein Mindset, dein Umgang mit Geld und die Kraft der Manifestation. Ich weiß, wie es sich anfühlt, sich selbst im Weg zu stehen, und genau deshalb schreibe ich so, wie ich es mir früher gewünscht hätte: wie eine Freundin, die dir ehrlich erzählt, was wirklich hilft. Für Frauen, die spüren, dass in ihnen mehr steckt.

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