Glaubenssätze sind oft ganz leise. Bei mir klang einer jahrelang so „Ich kann das eh nicht.“
Kennst du den Satz? Ich kenn ihn ziemlich gut Der hat mich jahrelang begleitet, bei fast allem, was ich mir vorgenommen hab. Und mit ihm im Gepäck kam meistens gleich noch ein zweiter: „Andere sind sowieso besser darin als ich.“
Ich hab die beiden Sätze nie hinterfragt. Für mich waren die einfach… wahr. Fakten sozusagen. Keine Gedanken, sondern die Realität.
Und weil ich das so fest geglaubt hab, bin ich vor vielem einfach weggelaufen, anstatt mich dem zu stellen. Warum sich auf was einlassen, von dem ich „wusste“, dass es eh nichts wird? Im Nachhinein hab ich mir dadurch wahrscheinlich einige Chancen verbaut.
Und genau darum soll’s heute gehen: um Glaubenssätze. Nachdem ich dir im letzten Beitrag erzählt hab, was Mindset überhaupt bedeutet, will ich jetzt tiefer rein, in den Teil davon, der uns oft am meisten steuert, ohne dass wir’s merken.
Was sind Glaubenssätze eigentlich ?
Ganz einfach gesagt: feste Überzeugungen, die wir über uns selbst, über andere oder über das Leben mit uns rumtragen. Manche betreffen das, was wir uns zutrauen. Manche unsere Beziehungen. Manche unser Verhältnis zu Geld.
Ein Glaubenssatz kann zum Beispiel sein:
„Ich bin nicht gut genug.“
Und dieser eine Satz taucht dann überall wieder auf. Du willst dich beruflich verändern, dein Gedanke ist: „Dafür bin ich nicht qualifiziert genug.“ Du willst was Neues probieren, dein Gedanke ist: „Das schaff ich eh nicht.“ Jemand macht dir ein Kompliment und dein erster Gedanke ist: „Meint die Person bestimmt nicht ernst.“
Der Glaubenssatz klopft dabei nie laut an. Er sitzt einfach zwischen deinen ganz normalen Gedanken, so unauffällig, dass du ihn kaum bemerkst.
Woher kommt das überhaupt ?
Aus dem Nichts entsteht Glaubenssätze nicht. Das sind Kindheitserfahrungen, Sätze von Eltern oder anderen wichtigen Menschen, Erlebnisse in der Schule, in Beziehungen.
Stell dir vor, ein Kind hört ständig: „Du bist aber schüchtern.“ Vielleicht war das gar nicht böse gemeint. Aber wenn’s oft genug fällt, wird irgendwann daraus: „Ich bin schüchtern.“ Und später: „Ich kann nicht vor anderen sprechen.“ Und noch später: „Ich bin halt kein selbstbewusster Mensch.“
Ich kenne das selbst nur zu gut. Ich hatte in der ersten Klasse eine Lehrerin, die mir ständig eingeredet hat, dass ich nichts kann. Egal was ich gemacht habe, es war immer falsch. Und genau solche Erfahrungen brennen sich ein. Bei mir wurde daraus über Jahre der Gedanke: „Das kann ich nicht“, „Andere sind eh besser darin als ich.“
Aus so kleinen, einzelnen Momenten bauen sich Überzeugungen, die wir Jahre, manchmal ein Leben lang, mit uns rumschleppen.
Nicht alle Glaubenssätze sind schlecht
Es gibt auch die, die uns stärken:
„Ich finde eine Lösung.“ „Ich darf Fehler machen.“ „Ich kann Neues lernen.“
Solche Sätze verändern, wie wir Herausforderungen begegnen. Und dann gibt’s die anderen:
„Ich kann das nicht.“ „Ich darf niemanden enttäuschen.“ „Ich muss perfekt sein.“ „Erfolg ist was für andere.“
Das Verrückte daran: Wir erkennen die als Glaubenssätze meistens gar nicht. Für uns fühlen die sich einfach wie die Wahrheit an.
Wie sich das im Alltag zeigt
Stell dir zwei Menschen vor, die beide die Chance kriegen, was komplett Neues auszuprobieren.
Die eine denkt: „Hab ich noch nie gemacht. Kann ich wahrscheinlich nicht.“ Die andere denkt: „Hab ich noch nie gemacht. Mal schauen, ob ich’s lernen kann.“
Gleiche Ausgangslage. Beide wissen nicht, ob’s klappt. Aber die innere Überzeugung entscheidet, was als Nächstes passiert. Die eine sagt ab, so wie ich früher ständig abgesagt hab, weil ich „eh wusste“, dass es nichts wird. Die andere probiert’s und sammelt dadurch eine Erfahrung, die die andere nie machen wird.
Genau da liegt die Macht von Glaubenssätzen. Sie verändern nicht die Situation an sich. Aber sie verändern, wie wir darauf reagieren.
Warum wir sie kaum bemerken
Das Ding an Glaubenssätzen: die klingen für uns völlig normal. Wenn du seit Jahren denkst „Ich bin einfach schlecht mit Geld“, fragst du dich irgendwann gar nicht mehr, ob das stimmt. Das gehört einfach zu deinem Bild von dir.
Genauso bei:
„Ich bin unsportlich.“ „Ich kann nicht Nein sagen.“ „Bei mir klappt sowas eh nie.“
Wir erzählen uns diese Geschichten so oft, dass wir vergessen, dass es Geschichten sind.
Vielleicht magst du grad kurz in dich reinhören: Welche Sätze fangen bei dir öfter an mit „Ich bin einfach…“, „Ich kann nicht…“ oder „Bei mir ist das immer so…“? Da steckt oft ein Glaubenssatz drin.
Glaubenssätze erkennen: 3 Fragen, die dir helfen
Wenn du so einen Satz bei dir gefunden hast, musst du ihn nicht sofort loswerden. Schau ihn dir erst mal in Ruhe an. Diese drei Fragen haben mir dabei richtig geholfen:
1. Wessen Stimme ist das eigentlich?
Klingt der Satz wirklich nach dir? Oder nach jemand anderem? Bei mir war es ganz klar die Stimme meiner Lehrerin aus der ersten Klasse. Ich hab ihren Satz einfach jahrelang weitergedacht, als wäre es meiner. Viele Glaubenssätze gehören eigentlich gar nicht uns. Wir haben sie nur irgendwann übernommen.
2. Seit wann glaube ich das?
Oft stammen unsere Glaubenssätze aus einer Zeit, in der wir noch klein waren. Damals hatten wir vielleicht wirklich keine andere Wahl, als das zu glauben. Aber du bist heute nicht mehr sechs Jahre alt. Du weißt heute viel mehr, kannst viel mehr und hast schon so einiges geschafft.
3. Was hat mich dieser Satz schon gekostet?
Diese Frage tut manchmal ein bisschen weh. Aber sie zeigt dir, wie viel Macht so ein kleiner Satz hat. Bei mir waren es Chancen, die ich nicht genutzt hab, weil ich vorher schon „wusste“, dass es eh nichts wird.
Mein Tipp: Schreib dir deine Antworten auf. Auf Papier sieht so ein Satz oft viel kleiner aus als in deinem Kopf.

Ein Gedanken ist nicht automatisch die Wahrheit
Ich hab in meiner Ausbildung zur Mindset Coach gelernt: ein gutes Mindset aufzubauen ist ein Prozess. Das passiert nicht über Nacht. Und der erste Schritt ist nicht, sofort jeden negativen Gedanken loswerden zu wollen. Der erste Schritt ist, ihn überhaupt erst mal zu bemerken.
Wenn du das nächste Mal denkst „Das kann ich nicht“, frag dich ruhig mal:
„Kann ich’s wirklich nicht, oder glaub ich nur, dass ich’s nicht kann?“
Dieser winzige Unterschied kann ziemlich viel bewegen. Bei mir hat er’s jedenfalls.
Im nächsten Beitrag schauen wir uns eine andere spannende Seite vom Mindset an: den Unterschied zwischen Fixed Mindset und Growth Mindset. Und warum manche Menschen glauben, ihre Fähigkeiten stehen fest, während andere davon ausgehen, dass sie sich immer weiterentwickeln können.
Über die Autorin
Ich bin Lizanne, Mindset Coach und Mama. Auf meinem Blog geht es um alles, was im Kopf beginnt: dein Mindset, dein Umgang mit Geld und die Kraft der Manifestation. Ich weiß, wie es sich anfühlt, sich selbst im Weg zu stehen, und genau deshalb schreibe ich so, wie ich es mir früher gewünscht hätte: wie eine Freundin, die dir ehrlich erzählt, was wirklich hilft. Für Frauen, die spüren, dass in ihnen mehr steckt.
