Wusstest du, dass es zwei Arten von Mindset gibt?
Ich wusste das lange nicht. Mindset war für mich so ein großes, schwammiges Wort, das irgendwie alles und nichts bedeutet hat. Bis ich in meiner Ausbildung gelernt hab, dass man das ziemlich klar aufteilen kann: in ein Fixed Mindset und ein Growth Mindset.
Und ab da haben ein paar Dinge plötzlich Sinn ergeben, über die ich mich vorher nur gewundert hab.
Im letzten Beitrag ging’s um Glaubenssätze und darum, wie sehr die steuern, was wir uns zutrauen. Die beiden Haltungen, um die es heute geht, sind sozusagen der Boden, auf dem diese Sätze wachsen.
Und bevor es theoretisch wird, fangen wir woanders an.
Ein Kind, das laufen lernt, fällt hin. Steht auf. Fällt wieder hin. Und denkt sich beim zehnten Mal nicht: Laufen ist wohl nichts für mich.
Es probiert einfach weiter. Weil ihm noch niemand erzählt hat, dass Hinfallen irgendwas über einen aussagt.
Irgendwann verlernen wir das. Wir fangen an, Fehler wie ein Urteil zu lesen statt wie einen Zwischenschritt. Und ab da wird jedes „kann ich nicht“ persönlich.
Was ist ein Fixed Mindset?
Beim Fixed Mindset gehen wir davon aus, dass Fähigkeiten feststehen. Entweder du hast was mitbekommen oder eben nicht. Punkt.
Klingt erst mal harmlos. Unangenehm wird’s in dem Moment, in dem du etwas nicht auf Anhieb kannst. Denn wenn alles am Talent hängt, zeigt dir jeder Fehler, wo deine Grenze liegt.
Und wer schaut sich freiwillig seine Grenzen an? Also lassen wir’s lieber gleich. Nicht aus Faulheit. Eher als Schutz.
Das Tückische daran: von innen fühlt sich das ziemlich vernünftig an. Du sagst ja nicht „ich trau mich nicht“. Du sagst „das ist nichts für mich“. Und damit bist du raus, ohne dass es sich nach Aufgeben anfühlt.
So klingt ein Fixed Mindset im Alltag:
- „Dafür hab ich einfach kein Talent.“
- „Sowas lag mir noch nie.“
- „In meinem Alter fang ich damit nicht mehr an.“
- „Wenn ich mich anstrengen muss, kann ich es wohl nicht.“
Was ist ein Growth Mindset?
Beim Growth Mindset liegt der Fokus woanders, nämlich auf Entwicklung. Auf der Idee, dass Können wächst, wenn man dranbleibt.
Das heißt nicht, dass du alles schaffst, wenn du nur fest genug dran glaubst. So funktioniert das nicht, und ich finde diese Botschaft ehrlich gesagt auch ziemlich anstrengend. Manches liegt uns, manches nicht.
Es heißt eher: du nimmst dich nicht selbst aus dem Rennen, bevor du überhaupt gestartet bist. Vielleicht klappt es trotzdem nicht. Aber du findest es wenigstens raus, statt es dir vorher auszumalen.
So klingt growth mindset im Alltag:
- „Das hab ich noch nie gemacht, mal schauen.“
- „Beim nächsten Versuch mache ich es anders.“
- „Anstrengung heißt, dass ich gerade lerne.“
- „Die Person kann mir zeigen, wie es geht.“
Fixed Mindset und growth mindset im Vergleich
| Situation | Fixed Mindset | Growth Mindset |
| Eine neue Aufgabe | Lieber absagen, bevor ich mich blamiere | Ausprobieren und schauen, was geht |
| Ein Fehler | Das sagt etwas über mich aus | Das sagt etwas über meinen Weg aus |
| Kritik | Angriff auf meine Person | Information, die ich prüfen darf |
| Erfolg von anderen | Beweis, dass ich schlechter bin | Beweis, dass es möglich ist |
| Anstrengung | Zeichen von fehlendem Talent | Zeichen von Entwicklung |
Ein Fehler ist keine Diagnose
Stell dir vor, du backst einen Kuchen und der fällt in sich zusammen.
Du kannst daraus zwei völlig verschiedene Sätze machen.
„Backen ist einfach nicht meins.“
Oder: „Da war was mit dem Backpulver.“
Der erste Satz redet über dich. Der zweite über ein Ergebnis. Und nur mit einem Ergebnis kannst du irgendwas anfangen, weil du es beim nächsten Mal anders machen kannst.
Das klingt nach Kleinigkeit, ist aber der ganze Unterschied. Beim Kuchen merkst du’s kaum. Bei der Bewerbung, die zurückkommt, entscheidet genau dieser Satz, ob du’s nochmal versuchst.
Warum Kritik im Fixed Mindset so weh tut
Kritik mag kaum jemand. Ich auch nicht, das gebe ich offen zu.
Wenn du Zeit und Herzblut in etwas gesteckt hast, willst du hören, dass es gut geworden ist. Und dann kommt jemand und sagt dir, was noch nicht passt.
Im Fixed Mindset landet dieser Satz sofort bei dir als Person. Du hörst nicht „das Kapitel ist zu lang“, du hörst „ich kann’s nicht“. Kein Wunder, dass du dann dichtmachst.
Im Growth Mindset bleibt Kritik erst mal eine Information. Nicht automatisch eine richtige, da darfst du gern wählerisch sein. Aber eine, die du dir anschauen kannst, ohne dass dein ganzer Wert daran hängt.
Die Frage ist also weniger, ob Kritik unangenehm ist. Sie ist es. Die Frage ist, was du eine Stunde später damit machst. Was davon kannst du gebrauchen, und was darfst du einfach bei der anderen Person lassen?
Der vergleich mit anderen auf social media
Du machst Instagram auf und da ist sie, die Person, die genau da steht, wo du gern wärst. Läuft bei ihr. Sieht leicht aus.
Dieser kleine Stich danach ist menschlich. Kein Grund, sich dafür zu schämen. Ich hab das selbst lange genug gemacht. Was ich auf Social Media gesehen hab, hat mich ziemlich eingeschüchtert. Ich hab immer gedacht, mein Content wird sicher nie so gut wie der von anderen.
Spannend ist nur, was er bei dir auslöst. Beweist er dir, dass du’s eh nie hinkriegst? Oder zeigt er dir, dass es überhaupt möglich ist?
Denn du siehst von dieser Person das Ergebnis. Nicht die Versuche davor, nicht die Sachen, die in den Papierkorb gewandert sind, und ganz sicher nicht die Tage, an denen sie selbst keine Lust mehr hatte.
Das hat bei mir wirklich was verändert. Nicht, dass der Stich weg wäre. Aber er hält nicht mehr so lange an.
warum dein mindset nicht jeden bereich gleich ist
Das finde ich fast das Wichtigste an dem Thema: niemand ist komplett das eine oder das andere.
Vielleicht schmeißt du zuhause alles gleichzeitig und traust dir da richtig viel zu. Aber sobald du etwas Neues lernen sollst, ist der erste Gedanke, dass du zu alt dafür bist.
Oder du bist bei deinen Kindern die Ruhe selbst, wenn was schief geht, und bist mit dir selbst dann null so geduldig.
Es hängt vom Bereich ab. Und manchmal schlicht vom Tag. An manchen Tagen bist du mutig, an anderen willst du einfach gar nichts ausprobieren. Auch das gehört dazu.
growth mindset entwickeln: ein word,das erstaunlich viel verändern
Wenn du an einer Stelle was ändern willst, dann probier mal dieses eine Wort aus: noch.
Aus „sowas krieg ich nicht hin“ wird „sowas krieg ich noch nicht hin“.
Klingt nach einem Trick, ich weiß. Aber der Satz macht etwas anderes mit dir. Er schließt die Tür nicht zu. Er sagt: aktuell bin ich hier, und hier ist nicht das Ende.
Du musst dir dabei nichts einreden. Du lässt nur offen, was du heute noch gar nicht wissen kannst.
häufige Fragen zu Fixed und growth mindset
Was ist der Unterschied zwischen Fixed Mindset und Growth Mindset?
Beim Fixed Mindset gelten Fähigkeiten als festgelegt, also als etwas, das man hat oder eben nicht. Beim Growth Mindset gelten sie als entwickelbar. Der Unterschied zeigt sich vor allem dann, wenn etwas nicht klappt: einmal wird der Fehler zum Urteil über die eigene Person, einmal bleibt er ein Ergebnis, mit dem man weiterarbeiten kann.
Woher kommt der Begriff Growth Mindset?
Er geht auf die Forschung der Psychologin Carol Dweck zurück, die untersucht hat, wie sehr unsere Überzeugungen über eigene Fähigkeiten beeinflussen, wie wir mit Herausforderungen umgehen.
Kann man ein Growth Mindset lernen?
Ja, aber nicht über Nacht. Es ist weniger ein Schalter als eine Gewohnheit. Der erste Schritt ist meistens, die eigenen Sätze überhaupt zu bemerken. Der zweite, sie ein bisschen offener zu formulieren.
Habe ich entweder das eine oder das andere?
Nein. Die meisten Menschen tragen beides in sich, nur in unterschiedlichen Lebensbereichen. Beim Sport kann dein Mindset ein ganz anderes sein als im Job.
Fazit
Als ich mich entschieden hab, die Ausbildung zur Mindset Coach zu machen, war mein erster Gedanke nicht „super, das zieh ich durch“. Mein erster Gedanke war die Frage, ob ich dafür überhaupt die Richtige bin.
Ich hab trotzdem angefangen. Nicht weil ich mir plötzlich sicher war, sondern weil ich es einfach wissen wollte.
Und genau das ist für mich der Kern von dem Ganzen. Ich arbeite bis heute daran, das gehört zur Ehrlichkeit dazu. Aber ich weiß inzwischen, dass dieses „ich bin halt so“ kein Endpunkt ist.
Also, falls dir heute was nicht gelingt: schau mal, welchen Satz du dir danach sagst. Der sagt mehr über deinen weiteren Weg aus als das Ergebnis selbst.
Über die Autorin
Ich bin Lizanne, Mindset Coach und Mama. Auf meinem Blog geht es um alles, was im Kopf beginnt: dein Mindset, dein Umgang mit Geld und die Kraft der Manifestation. Ich weiß, wie es sich anfühlt, sich selbst im Weg zu stehen, und genau deshalb schreibe ich so, wie ich es mir früher gewünscht hätte: wie eine Freundin, die dir ehrlich erzählt, was wirklich hilft. Für Frauen, die spüren, dass in ihnen mehr steckt.
